Großfahrt, das ist für uns mehr, als ein paar wenige Tage durch die Gegend zu laufen. Großfahrt soll ein Großerlebnis sein. Auch mal an die körperlichen Grenzen führen.
Mit wenig auskommen….raus aus dem Alltag. Hinein ins Abenteuer. Großfahrt bedeutet unterwegs zu sein. Keinen festen Lagerplatz zu haben, keine Rückzugsmöglichkeiten vor der Natur, vor Regen, Sonne, Stürme und Hagel. Einfach draußen zu sein. Unsere Sippen Biber und Hermelin haben dieses Abenteuer gemeistert. Los ging es am 4. August. Mit dem Fernbus fuhren wir 30 Stunden in Richtung Lettland. In Riga angekommen hieß es Rucksäcke auf und weiter gings. Durch Zufall half uns eine Lettische Pfadfinderin die uns am Bahnhof in Riga „gefunden hat“ 🙂 den richtigen Zug zu erwischen. Und weiter gings nach Sigulda. Nochmal eine Stunde Zug fahren. Sigulda, das Tor zum Nationalpark Gauja. Dort angekommen liefen wir noch ca. 3 km zu unserem Ersten Übernachtungsplatz wo uns auch schon unsere Partnergruppe aus Riga erwartete, welche uns zwei Tage begleitete und uns im zweiten Teil unserer Fahrt in Riga wieder erwarten wird.
Wir schlugen unsere Kröten auf, verstauten unsere Rucksäcke wasserfest und gingen los um einige Liter Flusswasser zu filtern um damit kochen zu können. Da es schon sehr spät war und alle sichtlich erschöpft waren von einer insgesamt 35 Stündigen Anreise und nochmal den Fußkilometern, beschlossen wir kein Feuerholz mehr zu suchen, sondern die Gaskocher auszupacken. Nach einem ausgiebigen ein Sterne ein Hortentopf Menü (Nudelsuppe mit brühe ohne alles 😉 ) besprachen wir noch die nächsten Etappen und schliefen gegen 22 Uhr ein.
Die nächsten Tage waren geprägt von einer unglaublich vielfältigen Natur. Schmalen verschlungenen Wegen stets der Gauja entlang. Mal Flach, mal Steil nach oben wo wir uns gegenseitig stützen mussten. Dichte Wälder, noch schmälere mit Brennnesseln bewachsene Pfade immer dem Baltischen Waldwanderweg folgend. Und obwohl wir in Lettlands größtem und beliebtesten Nationalpark waren, stießen wir tatsächlich die ersten 5 Tage nur auf exakt 7 Menschen. Wir waren also wirklich alleine auf weiter Fahrt :). Erst an Tag 6 und 7, als wir das erste mal in eine Ortschaft kamen zum Einkaufen, holte uns für einen kurzen Moment die Zivilisation wieder ein. Wir kauften dann gleich für die nächsten Tage ein. Da einige mit dem Magen zu kämpfen hatten (vermutlich das nicht ganz so gute Trinkwasser) beschlossen wir, im Laden 30 Liter Wasser zu kaufen, füllten damit unsere Trinkfalschen und unsere 3 Wassersäcke auf und trugen sie die nächsten 4 km zu unserem Schlafplatz, den wir auf der Karte ausmachten. Von nun an ging es etwas näher an der Zivilisation weiter.
Wir hatten jetzt jeden Abend bestes Wasser, die Mägen beruhigten sich :). Ach ja… das Essen der letzten Tage… Suppennudeln in Tomatensoße, Suppennudeln in Brühe, Kartoffelbrei mit Wasser und Pilzsoße aus der Tüte und jede Menge Flachkekse mit Wurst (Salami weil sie sich hält) und Käse zu Mittag. Umso dankbarer waren wir für diesen ersten Einkauf nach rund 7 Tagen. Denn dort haben wir uns nicht nur mit Wasser sondern auch mit Brot eingedeckt. Und weil sich niemand auf anderes Essen einigen konnte, wurden nochmal für 3 weitere Tage Nudeln gekauft :). Klassiker…..
Zurück zu Land und Leute…. so viele nette liebe Menschen in den kommenden Tagen angetroffen. Wir konnten bei einer uralt ansässigen Familie auf deren riesengroßes Grundstück schlafen und deren Trockentoilette benutzen (Was für eine Wohltat). Diese erzählten uns am nächsten Tag viel über Lettland und seine Geschichte. Am Abend brachte uns der Eigentümer noch selbst gemachten Apfelsaft… mhhhh….“schmackofatz“ um es mit den Worten eines Sipplings auszudrücken :).
Nun ging es weiter…hart gen Nord wie man im Norden sagen würde. Und nach weiteren zwei Tagesetappen legten wir einen Ruhetag ein. Diesen „Ruhetag“ verbrachten wir mit Pfadfindertechnik, Kröten, Kohten und Lok bau, Gilwellbericht mit Karte und Kompass durchs Gelände, Feuertechniken usw. Was Pfadfinder eben so tun.
Am nächsten Tag hieß es Abschied nehmen von unserem Gauja Tal, das uns eineinhalb Wochen begleitet hat. Mit einem Bus machten wir uns auf den Weg in die nächst größere Ortschaft und von dort aus mit einem weiteren Bus auf die zwei stündige Rückfahrt nach Riga. Denn nun sollte der „Sightseeing“ Teil der Großfahrt beginnen. 2 Tage Riga mit Hop on Hop off, Kirchen, schmalen Gässchen und einem schnuckelig eingerichteten Hostel mit vielen kostenlosen Bananen, Tees, Äpfel und frischem Wasser…. was für ein Fest… ich meine Schmackofatz :).
Im Hostel angekommen hieß es aber erstmal duschen… immerhin nach 11 Tagen die erste Dusche :)…wir denken, es war noch nicht nötig… 😉 nein es war dringend nötig. Leider war die Gauja auch zu strömungsreich um darin zu baden.
Am nächsten Tag besuchten wir gemeinsam mit unseren Einheimischen Begleitern, welche am Morgen zu uns stießen Riga und es gab für einen unserer Sipplinge welche auf Fahrt Geburtstag hatte, noch ein kleines Shirt mit unseren Unterschriften. Nach einem ausgiebigen Bummel durch die Stadt und vielen Insider Infos, gingen wir noch Abendessen kaufen (Nudeln mit Tomatensoße ^^ *g*) und dann zurück ins Hostel zu einem gemeinsamen bunten Abend. Am kommenden Tag hieß es Packen und Abmarsch zum Busbahnhof wo am späten Nachmittag unser Bus zurück in die Heimat fahren wird.
Günni blieb beim Gepäck und alle Sipplinge gingen mit unseren lettischen Pfadfinderfreunden in Kleingruppen los, um nun ihr mitgebrachten Taschengeld auszugeben, sich Souvenire zu kaufen und für die Lieben daheim was schönes Mitzubringen.
Um 15:50 endet unser Aufenthalt in Lettland wir verabschiedeten und bedankten uns mit unserem Stammesabzeichen bei Hostel und unseren Pfadi Freunden und 30 Stunden später beendeten wir mit unserem Bundeslied und einem letzten Gut Pfad mit einer letzten Andacht unsere Großfahrt 2025 nach Lettland.
Was für ein Abenteuer voller Vögel, Igel, Katzen, einem kleinen Wildschweinchen, und vielen wirklich vielen vielen unzählige Stechmücken. Ein Erlebnis von dem nur erzählen kann, wer auch auf Fahrt geht….auf Großfahrt.
In dem Sinne, auf bald, eure Ritter von Külsheim oder noch genauer, eure Sippen Hermelin und Biber aus der St. Johannisgemeinde in Burgfarrnbach
GUT PFAD
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